Ratingen. Natürlich besucht nicht jeder Ratinger die Innenstadt mit dem Auto. In Zeiten, in denen der Klimawandel sogar in Ratingen spürbar wird und Benzin und Diesel so teuer werden, dass es steuerlich subventionierte Spritpreisbremsen geben muss, fahren auch immer mehr Bürger mit dem Fahrrad oder Pedelec in die Innenstadt. Wer sich bewusst umschaut, stellt allerdings fest, dass es in Ratingen kaum sichere Abstellplätze für Fahrräder gibt. Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat die Stadt hier aber Abhilfe geschaffen. Der Bau hat lange gedauert: Im Zuge des Rathaus-Neubaus war auch die Rathaus-Tiefgarage monatelang gesperrt, bevor sie im November 2019 wiedereröffnet wurde. Die Garage ist nun moderner und heller. Sie bietet Ladeanschlüsse für Elektroautos und Stellplätze für knapp hundert PKW. Eine ausreichende Anzahl an Fahrradabstellplätzen sucht man vergeblich. In einer Ecke des Parkhauses war allerdings dann doch noch Platz, um einen Luxus-Fahrradstellplatz zu schaffen. Er besteht aus einem Bügel, sieht modern aus und bietet bis zu zwei Fahrrädern Platz. Ergänzt wird er durch einen Schrank mit zwei Schuko-Steckdosen, an denen E-Bike-Fahrer ihre Räder aufladen können. Die Fahrradparkhäuser aus anderen Städten lassen grüßen – beinahe fühlt man sich Pkw-Fahrern gleichgestellt. Was Radfahrer in der Tiefgarage beachten müssen Überrascht von dem üppigen Angebot, hat sich der ADFC einige Detailfragen gestellt: Muss ich für das Fahrrad ein Parkticket ziehen? Kostet die Nutzung der Garage mit dem Rad genauso viel wie mit dem Pkw, oder gibt es einen eigenen Tarif? Die AGB der Tiefgarage geben darüber keine Auskunft, und neben der beschrankten Einfahrt gibt es lediglich einen Fußgängerzugang. Um diese Fragen zu klären, hat der ADFC Ratingen eine Informationsfreiheitsanfrage gestellt, die das Amt für Liegenschaften umgehend und umfassend beantwortet hat: „In allen Tiefgaragen, welche die Stadt Ratingen betreibt, ist das Einstellen von Fahrrädern nicht gestattet.“ Mit anderen Worten: Radfahrer dürfen den Abstellplatz für Fahrräder nicht benutzen. War das nicht sehr teuer? Das vereinfacht die Frage nach dem Parkticket für Radfahrer zwar erheblich, mit einer solchen Antwort hatten wir aber nicht gerechnet. Die Einrichtung in der Tiefgarage wirkt sehr hochwertig. Sie ist beleuchtet und verfügt über eine zusätzliche Elektroinstallation – die Leitungen sind unter Putz verlegt. Der ADFC schätzt die Gesamtkosten auf mehrere Tausend Euro. Was hat es die Stadt also gekostet, diesen Stellplatz einzurichten? Auch das beantwortete das zuständige Amt prompt: „Zu den Kosten für die Einrichtung der Fahrradbügel und der Ladestation für E-Bikes kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben, da mir diese nicht bekannt sind.“ Das Gefühl, wie ein Autofahrer behandelt zu werden, bleibt also wie bisher den Autofahrern vor behalten. Bürger sind aufgerufen Aktuell führt der AFDC seinen regelmäßigen Fahrradklima-Test durch, in dem auch Ratinger Radfahrer ihre Wahrnehmung der Radverkehrspolitik mitteilen können. Bis zum 30. November kann man unter https://fkt.adfc.de/ mitmachen.